DENK4 DEUS ET DIGNITAS ET CARITAS EST

Ein paar Sätze von Bedeutung

oder

Skizzenhafter Überblick über
Die Evolution des Geistes

 

 

Die ursprünglichsten Entwicklungen in der Menschheit:

 

Der Körper
(Bipedie, Sinne, Hand, Gehirn*)

Die Kreativität
(Wohnplätze, Schmuck, Werkzeug, Kunst;
Unterteilung nach Lyn Wadley)

Die Sprache
(sigmatisch, semantisch, pragmatisch, syntaktisch;
Unterteilung nach Johannes Heinrichs)

Die Vernunft
(entdecken, erfinden,
analysieren [z.B. reflektieren], systematisieren [z.B. viergliedern])

 

 

 

Die weitreichendsten Entdeckungen der Menschheit:

 

Das Feuer

Das Atom

Die Zelle

Der Mensch

 

 

 

Die wichtigsten Erfindungen der Menschheit:

 

Das Rad

Die Schrift

Das Naturgesetz

Der Artikel 1,1 GG

 

 

 

Die umfassendsten Reflexionen der Menschheit:

 

die Unendlichkeit im Raum

die Gleichheit im Tod

die Ewigkeit in der Zeit

die Einmaligkeit im Leben

 

 

 

 

* Anmerkungen zu einer
möglichen fraktalen Ableitung des „Gehirns“
nach Stephen Mithen:

 

Das „Schubladen-Gehirn“ des „archaischen Menschen“:
Es entspricht in gewisser Weise dem einfachen „(Ich-)Bewußtsein“

Natur-Wissensmodul

über essbare Pflanzen,
das Verhalten von Tieren,
Wetter und Tag-Nacht-Wechsel

Soziales Wissensmodul


wie man mit anderen auskommt
 

Technisches Wissensmodul

wie Dinge behauen, gebogen
und geworfen werden,
wie man Feuer macht

Linguistisches Wissensmodul

wie man bedeutungsvolle
Laute erkennt
und selbst erzeugt

 

… und dazu nun der Unterschied zum „modernen Menschen“:
Der wesentliche Unterschied besteht wohl im “kreativen ICH-Bewußtsein“, wie ich es hier jetzt einmal nennen möchte.

Im Kontext der allgemein verbreiteten Rede, dass sich der Mensch im Laufe der Evolution wohl zu einem höheren Bewusstsein hin weiterentwickelt oder weiterentwicklen soll, ist es vielleicht hilfreich, sich auch einmal die Frage nach den möglichen inhaltlichen Qualitäten der jeweiligen „Bewusstseinsstufen“ zu stellen.
Gerade in meinen “Sätzen von Bedeutung” spreche ich ja – wenn vielleicht auch noch etwas unbeholfen - in komprimierter Form von der geistigen Entwicklung des Menschen. Da in Schlüsselbegriffe zusammengefasste Thesen durchaus Verstehensschwierigkeiten beinhalten können, versuche ich hier nun einmal beispielhaft durch das folgende Zitat diese „Entwicklung des Geistes“, so wie ich sie verstehe, wenigstens in einem kleinen Teilbereich zu verdeutlichen. Es geht mir dabei um den qualitativen Übergang vom einfachen „(Ich-)Bewußtsein“ zum komplexeren „kreativen ICH-Bewusstsein“ des Menschen - also nach obiger Tabelle, der Übergang von der ursprünglichen Entwicklung des Körpers (genauer: durch die Entwicklung des Gehirns) zur ursprünglichen Entwicklung der Kreativität:

“Erst beim „Modernen“ [Menschen] … sei „Fluidität“ im Schubladen-Gehirn möglich geworden: Durchgängigkeit zwischen den Modulen, Repräsentation von Wissen in neuen Zusammenhängen. Jetzt wurden Quellen, Bäume und Berge (Natur-Modul) belebt, emotionale Beziehungen zu Pflanzen und Tieren aufgebaut (soziales Modul), anderen davon erzählt (linguistisches Modul). Fantasie, Mythen und Religion entstanden – symbolisches Denken und Handeln. Und eben die Kunst, die symbolträchtigste Verhaltensvariante von allen.
Stephen Mithen zieht Parallelen zur frühkindlichen Entwicklung. Er verweist auf die Arbeiten von Prof. Annette Karmiloff-Smith vom Institute of Child Health in London. Die Forscherin hat ein weithin akzeptiertes Modell erarbeitet, wie sich, beginnend im Säuglingsalter, aus einem zunächst generalisierten „Allzweck-Computer“ ein modularisiertes Gehirn entwickelt und schließlich eines, in dem die Module durchgängig werden. Vielleicht spiegelt sich darin ein Stück Menschheitsentwicklung.
Gefragt, was aus ihrer Sicht die allererste Motivation ist, sich in Form von Kunst zu äußern – beim Kleinkind ist das ab etwa zweieinhalb Jahren der Fall –, sagt Karmiloff-Smith: „Nach meinen Beobachtungen ist sein ursprünglichster Antrieb: Das Kind will eine Spur hinterlassen.“ Eine Spur, die das Kind auch noch eine Woche später mit Stolz als seine persönliche wiedererkennt: „Das bin ICH gewesen“.

(aus: Thorwald Ewe, Durch Mutation in die Moderne, in: Bild der Wissenschaft 07/2002, S. 22-28)

Ich persönlich finde diese Theorie schon deshalb sehr interessant und auch besonders anregend, weil durch diese Sichtweise in Bezug auf das in unserer Gesellschaft um sich greifende „Fachidiotentum“ und ebenso hinsichtlich der zunehmenden Funktionalisierung unseres „Bildungssystems” für rein ökonomische Interessen, äußerst wichtige Grundsatzfragen gestellt werden können!

Liebe Leserin!,
lieber Leser!,
sehen Sie das auch so?