Freiheit und Verantwortung entsprechen der Menschenwürde
Was ist darunter zu verstehen? Die Übersicht auf Wikipedia zur Menschenwürde ist inzwischen relativ gelungen. Insbesondere der Verweis auf Kant, die Gewissensfreiheit, die Menschenrechte und die Unterscheidung von Würde als Wesensmerkmal und Gestaltungsauftrag sind durchaus brauchbare Orientierungshilfen, um sich ganzheitlicher dieser eigentlich unfassbaren Größe des Menschen gedanklich zu nähern.
Jedoch sehe ich in der Diskussion um die Würde des Menschen eine Einseitigkeit, die sich durch die Denkweise des Westens ergibt. In unserem Denken hat sich beginnend mit Luthers Schrift “Von der Freiheit eines Christenmenschen” über die Aufklärung bis in unsere Zeit des Liberalismus, “Freiheit” als faktisch absoluter und und oberster Wert des christlich-westlichen Kulturraums manifestiert. Auch “Geld” und “Kapital” sind in dieser Denkweise der Unabhängigkeit letzten Endes nur noch “eingefrorene Freiheit”. Nicht wenige Zeitgenossen neigen von daher zu der Ansicht, dass “Freiheit” sogar mit der “Würde des Menschen” gleichzusetzen oder gar gleichzustellen ist (vgl. dazu auch das Phänomen materieller “Reichtum” von wenigen, als letztlich unsinnig tiefgekühlte Vorratshaltung für “Freiheit” - entspricht diese unsägliche Hamsterei von “Freiheit” noch der Würde des Menschen?). Meiner Einsicht nach ist jedoch diese absolut gesetzte Freiheit eine unzulässige Verkürzung von Menschenwürde und die Probleme, die sich dabei in Konfrontation mit der Denkweise des Ostens ergeben, werden damit vorprogrammiert (bis hin zum “Islamistischen Terrorismus”). Meiner Überzeugung nach gibt es weder einen “Clash of Civilisations”, noch sind “Glaube” oder “Religion” die eigentlichen Auslöser der zunehmenden Gewaltbereitschaft unter den Menschen.
Nein, es geht um etwas ganz anderes: Es treffen nämlich grundlegend verschiedene Denkweisen aufeinander. Ist erst einmal dieser Kern des Gewalt-Problems unserer Tage erkannt, dann werden sich auch Lösungen abzeichnen und Wege werden sichtbar werden, die in Zukunft beschritten werden müssen, damit die Welt nicht noch von mehr Gewalt und Krieg überzogen wird und endlich auch die eigentlichen “Kriegstreiber” dingfest gemacht werden können.
Dazu ein paar Anmerkungen, die auch in direktem Zusammenhang zu den Gedanken stehen, wie ich sie in meinem Aufsatz “Europa beginnt in Bamberg!” bedacht habe.
Gewalt ist immer das Problem, als dessen Lösung sie sich ausgibt!
Was will ich damit sagen? Wir müssen uns endlich von einem Gewalt-Denken verabschieden, das sich noch am sogenannten “Gerechten Krieg” orientiert und damit versucht militärische Interventionen zu rechtfertigen. Es gibt keinen “Gerechten Krieg” - es gibt höchstens “Gerechten Frieden”! Erst ein ernsthaftes und gründliches Nachdenken über “Gerechten Frieden”, wird uns der Würde des Menschen gemäß, für die großen Probleme und Konflikte der Menscheit unserer Zeit, auch entsprechende Lösungen finden lassen.
Die Macht der Würde
Auf dem Weg zum “Gerechtigen Frieden”, d.h. die Quellen von Gewalt auszutrocknen, muss auch auf die folgende zentrale Frage unserer Zeit eine vernünftige Antwort gefunden werden:
"Wie finden wir von einer Globalisierung der Märkte zu einer Globalisierung der Herzen?"
Hier geht es um ein globales oder gar universales Maß nehmen, kraft dessen die maßlos und vermessen gewordene Globalisierung der Märkte humanisiert werden kann. In Bezug auf ein Weltethos, auf das die Menschheit hin verpflichtet werden müsste, gilt es jedoch sehr viele Aspekte zu berücksichtigen. Ein abschließende Antwort wird es von daher auf die Frage nach der “Globalisierung der Herzen” nicht geben. Dennoch sollte insbesondere dem Aspekt “Menschenwürde” im Kontext eines Weltethos Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dieser Aspekt hat bislang in der Diskussion über die Globalisierung keine große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Dabei könnte es sein, dass gerade er gut geeignet ist, die Kraft, Macht und Energie freizusetzen, die ein normativer Wert braucht, wenn er globale Geltung in Anspruch nehmen möchte. Denn die Würde des Menschen kennen alle Kulturen und Religionen.
Ein Zitat aus dem sehr lesenswerten Buch von Christoph Quarch, u.a (Hrsg): “Die Macht der Würde. Globalisierung neu denken” (Gütersloh 2007; Mit Beiträgen von Michail Gorbatschow, Muhammad Yunus, Klaus Töpfer, Franz Alt, Benita Ferrero Waldner, Richard Rohr, Thich Nhât Hanh, Dalai Lama u. v. .a.) soll uns das weltverändernde Potential, das im Begriff von der Würde des Menschen schlummert deutlich machen. Auf der Seite 12f heißt es:
"Die größte Macht, die jedem Menschen gegeben wurde, ist seine Würde. Sie erschließt sich, indem der Mensch ein Bewusstsein für den Sinn seiner selbst und der Welt entwickelt. Jeder entdeckt seine eigenen Fähigkeiten, seinen Wert, seine Schönheit, Vielfalt und Einheit, indem er seine Würde entdeckt. Jeder erfährt die Fähigkeiten, den Wert, die Schönheit, Vielfalt und Einheit, die in anderen Menschen und in der Schöpfung insgesamt verborgen sind, indem er die Würde, die ihnen inne ist, wahrnimmt und Raum zu ihrer Entfaltung gibt. Die Macht der Würde erwächst aus der Tiefe. Sie entfaltet sich im Gegensatz zur äußeren Macht, die die Welt heute allzu sehr in ihrem Bann hält: Die Macht der Würde wird größer, indem man sie teilt! Je mehr ein Mensch in Würde lebt und diese Erfahrung mit anderen teilt, desto mehr erlebt er ihre Wirklichkeit und desto mehr erschließt sich ihm auch die Welt in ihrer Würde, ihrem Sinn und in ihren inneren wie praktischen Werten. Die Entdeckung der Würde von uns Menschen und der Würde der Natur ist nicht nur der Weg zur Entwicklung und zur tiefen Zufriedenheit jedes Menschen. Sie sind auch ein geistiger Schlüssel zur Lösung der Probleme, unter denen so viele Menschen und die Menschheit insgesamt heute leiden. Die Unbedingtheit und Unantastbarkeit der Würde jedes Menschen und der Natur sind die Grundlage jeglicher menschlicher Kultur und Gesellschaft. Und sie sind der Maßstab, ob äußere, politische und wirtschaftliche Macht sich der Entfaltung der Würde jedes Menschen und der Achtung der Würde der Natur unterordnet und ihr dient. Die Würde eines jeden ist, ebenso wie Liebe, verflochten in ein Netz von gleichsam unsichtbaren geistigen Strängen, die alle Menschen und alle Dinge miteinander verbinden. Kein Mensch kann in Würde leben, wenn er sich nicht gleichzeitig um die Würde seiner Mitwelt sorgt. Im Zeitalter der Globalisierung menschlichen Lebens bedeutet dies: Wir alle sind mitverantwortlich für die Würde der gesamten Menschheit und die Würde unseres Planeten. Gleichgültig auf welche spirituellen Quellen sich ein Mensch bezieht – die inneren Gesetze der Würde und des Sinns der Schöpfung gelten universell. Wenn wir die Globalisierung human gestalten wollen, brauchen wir nicht Geringeres als ein neues Bekenntnis zur Würde des Menschen und der Natur. Die Welt braucht ein Globalisierung der Würde, eine Globalisierung jener Werte, die Würde schaffen und ausdrücken wie beispielsweise Gerechtigkeit. Eine globalisierte Welt braucht eine Globalisierung der Werte, braucht eine sinnvolle Weltordnung, in der Gerechtigkeit und Freiheit die gleiche Gültigkeit für alle besitzen. Wir brauchen eine die Grundlagen erneuernde weltweite Bewegung: eine Bewegung, die alle Menschen der Welt jenseits all ihrer Vielfalt erfasst und im Bewusstsein der Würde zusammenführt. Nur so kann die Würde ihre Macht zu einem sinnvollen Leben in jedem Menschen und in dem neu erschlossenen Organismus der unteilbaren Menschheit und der unteilbaren Erde entfalten. Die Macht der Würde ist unsere beste Macht."
Vor dem Hintergrund dieses “würdevollen Machtwortes”, wird auch die außerordentliche Bedeutung und Tragweite des Wortes der deutschen Bischöfe aus dem Jahre 2000 sichtbar:
„Im Schnittpunkt von kirchlichem Auftrag und politischer Aufgabe steht der Respekt gegenüber der Würde des Menschen.“ Die deutschen Bischöfe, Gerechter Friede, Nr. 66, Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hrsg.), Bonn 2000, unter Abschnitt 58)
Dieser gemeinsame Schnittpunkt, der Kirche und Staat, seit dem Inkrafttreten des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland im Mai 1949, untrennbar miteinander verbindet, erfährt letzten Endes seine Konkretisierung durch den geleisteten Beitrag zum Frieden. Hier gilt es beispielsweise darauf hinzuweisen, dass die großen Kirchen Deutschlands insbesondere durch ihren Verkündigungs- und Bildungsauftrag und die Bundesrepublik Deutschland sogar mit all ihrer staatlichen Gewalt, gemeinsam dafür Sorge zu tragen haben, dass die Denkschule vom "Gerechten Frieden" ausreichend Verbreitung findet. Um der menschlichen Sicherheit und der menschlichen Entwicklung willen, geht dieses Denken von dem Grundsatz si vis pacem para pacem ("wenn du den Frieden willst, bereite den Frieden vor") aus. Dieses Friedens-Denken muss von daher möglichst bald alle Lebensbereiche und -ebenen einer Gesellschaft erfassen und durchdringen (vom persönlichen Gewissen ausgehend, über die Familie, Bildung, Arbeit, Wirtschaft, … bis hin zu den staatlichen Gewalten), damit im Laufe der Zeit dann auch die Grammatik einer Gesellschaft - also der Staat selbst - sich gemäß dem Leitbild vom "Gerechten Frieden" weiterentwickeln kann. In gewisser Weise muss der Staat zunehmend das strukturelle Abbild eines Denkens vom "Gerechten Frieden" werden – muss eine (prozesshafte)Manifestation dieses Friedens sein. Ausgehend vom gemeinsamen Schnittpunkt, der "Würde des Menschen", orientiert sich dabei das kirchliche wie auch das staatliche Bemühen an den Dimensionen des "Gerechten Friedens":
Dieses Friedens-Denken wird aber dann nicht nur in Deutschland allein seine politische Wirksamkeit entfalten, sondern auch in den anderen Ländern Europas wird "Gerechter Frieden" die Grammatik von Gesellschaften – und zwar um des Menschen willen – friedlich zum Guten hin verändern. Für diese Hoffnung, dass Europa als Wertegemeinschaft einen überaus wichtigen Beitrag zum Frieden auf der Welt leisten kann, dafür steht meiner Ansicht nach auch die weit reichende Symbolik der Europafahne, wie ich sie auf der ersten Seite meiner Homepage (oder hier als PDF) versuche zu thematisieren.
Meiner Überzeugung nach bedarf es in der Tat, hinsichtlich einer guten und vernünftigen “Weltpolitik” in Zukunft einer sogenannten ”Europäischen Lösung”. Davon geht nun auch meine Bemühung aus, der Würde des Menschen Rechnung zu tragen, die ja wie bereits auf der Eingangseite dargelegt, die Grundlage eines Europas als Wertegemeinschaft ist. Rufen wir uns noch einmal kurz die Worte von Prof. Pötterings Rede in Erinnerung: Papst Johannes Paul II. habe gelehrt, „Europa aus der Kraft seiner zwei Lungen zu verstehen – der westlich, germanisch-romanischen, und der östlichen, der slawisch-byzantinischen“. Beide Lungenflügel gehörten zusammen, sie bildeten die Einheit der kulturellen Identität Europas. Wenn sich Europa seiner christlichen Grundlagen bewusst sei, gehe es den besten Weg in die Zukunft.” Wenn nun meine schon weiter oben gemachte Annahme richtig ist, dass es im konkreten Aufeinandertreffen von Menschen weniger um Religionen oder Kulturen geht, sondern viel mehr um unterschiedliche Denkweisen, dann müsste dies auch auf das westliche und östliche Europa zutreffen. Nur dass in Europa auf Grund des gemeinsamen geschichtlichen Werdegangs, grundsätzlich die Denkweisen sich nicht mehr so extrem unterscheiden wie beispielsweise zwischen Amerika und China. Zwischen der Denkweise eines klassischen Engländers und der eines weltoffenen aber traditionsverhafteten Türken (gehen wir einmal davon aus, dass die Türkei früher oder später zur Europäischen Union gehört) jedoch, werden sich wohl immer noch Welten auftun. Aus diesem Grunde dürfen wir annehmen, dass für die Denkweise des westlichen und des östlichen Europas das folgende gilt (wenn auch in abgeschwächter Form): Das westliche Europa orientiert sich vor allem an der “Freiheit”, das östliche Europa wird sich aber noch vor allem noch an der “Ehre” orientieren - im Osten/SüdenEuropas wird der Wert der “Ehre” letztlich höher eingeordnet, als der Wert der “Freiheit”, im Westen/Norden Europas dagegen, wird es sich gerade anders herum verhalten. Diese Eigenart im Denken der Menschen sollte hinsichtlich des Nachdenkens über den “Gerechten Frieden” in all seinen Dimensionen Beachtung finden.
Im Westen ist der “Gerechte Frieden” vor allem eine Frage nach der “Freiheit”! Im Osten ist der “Gerechte Frieden” dagegen eher eine Frage der “Verantwortung”!
Denkweise und Moral stehen in engster Verbindung zueinander. Bringen wir diese Untrennbarkeit von Moral und Denkweisen und das gleichzeitige Aufeinandertreffen dergleichen, uns noch durch das folgenden Filmzitat zu Gehör. Die provokante Aussage eines indischen Arztes zur "Organtransplantation" verdeutlicht ganz konkret, welche praktische Auswirkungen diese grundverschiedenen Denkweisen und die damit einhergehende Moral des Ostens und Westens z.B. im Bereich der Medizin zeitigen. Die Denkweise des Ostens und somit auch die Moral eines Inders, welche sich letztlich an der “Pflicht”, also an der "Ehre" (der Verantwortung für die Familie) orientiert, unterscheidet sich grundlegend von der Moral des Westens, die sich an "Freiheit" und "Rechten" (des Einzelnen) orientiert.
Das nächste Filmzitat erzählt ebenfalls von diesem Zusammenhang des östlichen und westlichen Denkens und was passiert, wenn diese unterschiedlichen Denkweisen unreflektiert aufeinanderprallen. Der bekannte Journalist Ulrich Tilgner gibt uns einen gekonnten Einblick in die Denkweise von Nomaden im Irak und macht so die Denkweise des an der Ehre orientierten Muslim deutlich. Damit wird auch die Kernproblematik angesprochen, die sich dann ergibt, wenn versucht wird, die Denkweise des Westens, die sich an der "Freiheit" orientiert, (mit aller Gewalt) auf die Denkweise von Stammeskulturen, wie die im Irak oder Afghanistan zu übertragen.
Erst wenn wir also ernsthaft damit anfangen, diese beiden obersten kulturprägenden Werte Freiheit und Verantwortung als untrennbare Einheit zu bedenken, erst dann werden wir uns auch einem ganzheitlicheren Begriff von der “Würde des Menschen” nähern. Diese neue Denkweise - also eine “Weisheit der Beziehungen” - wird enorme Auswirkungen auf unser Rechtsdenken haben und zugleich auch ein ganz neues Pflichtbewußtsein entfalten. In jedem Falle wird dieses neue Denken maßgeblich mit dazu beitragen, dass es dem Menschen in Zukunft gelingt, der Würde des Menschen gemäß, sein Leben zwischen Unabhängigkeit und Abhängigkeit besser zu gestalten - insbesondere das Leben unserer Kinder und Kindeskinder wird so zunehmend in würdiger Weise von menschlicher Sicherheit und menschlicher Entwicklung geprägt sein!
Aus diesem Grunde ist eine allgemeingültige inhaltliche Konkretisierung des Wesensmerkmales, wie auch des damit einhergehenden Gestaltungsauftrages von Menschenwürde unabdingbar.
Eine weltweite Verwirklichung, dass immer mehr Menschen in Würde leben können, wird aber nur möglich sein, wenn die “Weisheit der Beziehungen” gleichermaßen in die Denkweise des Westens wie auch in die Denkweise des Ostens Einzug hält. Konkret heißt dies, dass für den Westen das an Relevanz gewinnt, was wir allgemeinhin unter “Pflicht” verstehen und für den Osten muss das im Denken relevant werden, was heutzutage unter “Recht” verstanden wird. In der Denkweise der Abhängigkeit, bilden für den Menschen dabei die klassischen Tugenden die vernünftige Brücke zwischen “Ehre” und “Pflicht”. Eine sinnvolle Verbindung von “Freiheit” und “Recht” mittels Vernunft in der Denkweise der Unabhängigkeit, wird dagegen durch die christlichen Tugenden ermöglicht. Es ehrt bespielsweise den Mann oder die Frau, wenn er oder sie versucht besonnen zu sein, gerecht zu entscheiden, klug zu handeln oder in entsprechender Situation tapfer durchzuhalten. So verweisen uns die vier Kardinaltugenden (Besonnenheit/Maßhalten, Gerechtigkeit, Klugheit, ,Tapferkeit) durchaus sehr konkret auf die Ehre und legt uns nahe, wie doch die Denkweise der Abhängigkeit, maßgeblich auch unser Pflichtbewußtsein gemäß der Würde des Menschen prägt. Dagegen erzählen die sogenannten drei christlichen Tugenden (Glaube, Hoffnung, Liebe)sehr viel und auch sehr konkret über unser westliches Rechtsbewußtsein, das sich vor allem an der Freiheit des einzelnen orientiert. Die Denkweise der Unabhängigkeit hat sich zum Beispiel ausdrücklich im Artikel 4 unseres Grundgesetzes hinsichtlich von Glauben, Weltanschauung und Gewissen manifestiert. Die Glaubens- und Gewissensfreiheit ist sozusagen die Spitze jeglicher Freiheit eines Menschen. Diese Denkweise der Unabhängigkeit hinsichtlich des Glaubens (bis hin zum Atheismus) und Gewissens (beispielsweise das Weglassen der Berufung auf Gott beim Eid), kann im Rechtsdenken von daher nicht hoch genug eingeschätzt werden, denn erst diese Rechtsordnung schafft auch die Rahmenbedingungen, dass Menschen ihrem je eigenen Sinn gemäß, das Leben gestalten und entfalten können. Beim Artikel 4 GG kann man in gewisser Weise auch vom Recht des Menschen auf ein “sinngemäßes Leben” sprechen. Jedoch gilt es das Folgende zu beachten: Die oberste Freiheit des Menschen gründet letztlich in der Würde des Menschen, wie uns das der Artikel 1,1 GG verdeutlicht. Ohne Anerkennung, dass die Würde eines jeden Menschen unantastbar ist, kann sich von daher auch der einzelne nicht auf seine Freiheit im Glauben oder auf die Freiheit seines Gewissens berufen. Der Respekt und die Achtung vor der Würde des Menschen ist in der Tat die Grundlage eines jeden Rechts und zugleich auch die Grundlage einer jeden Pflicht!
Wenn aber, aus welchen Gründen auch immer, das Recht auf Glaubensfreiheit oder irgend ein anderes (Menschen-)Recht nicht zum Zuge kommt, dann bedarf es der christlichen Tugend Hoffnung - denn Hoffnung ist es, die uns Menschen hilft das eigentliche Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Und das Ziel heißt: Ein Leben in Würde gemäß unserem Lebenssinn führen zu können. Da kommt dann auch wieder der Gestaltungsauftrag von Menschenwürde und die Kardinaltugenden in Blick. Aber auch mit größtmöglicher Besonnenheit, Gerechtigkeit, Klugheit und Tapferkeit kann es durchaus dazu kommen, dass - neben der Hoffnung - nur mehr das eine bleibt: Die Macht der Liebe! Liebe die uns die Kraft zum Aus- und Durchhalten gibt, die Kraft die Versöhnung bewirken kann, ... die Kraft die Heilen kann, diese göttliche Kraft die den Menschen über sich hinauswachsen läßt, die Kraft die wir Menschen zum Trost vor allem in bedrohlichen, schwierigenen und entbehrungsreichen Zeiten brauchen - die Macht, die sogar stärker ist als der Tod! Wenn aber Liebe sogar den Tod überwindet, spätestens dann ist Liebe jedoch nicht nur mehr eine christliche Tugend, sondern dann gilt das folgende Wort aus der Bibel: “Gott ist Liebe!” (1Joh 4,16). Zugleich offenbart sich uns in diesem Zusammenhang von Liebe, Tod und wahrer Freiheit eines Christenmenschen, auch das Wort des Apostel Paulus in seiner ganzen Tiefe und Weisheit - und das insbesondere mit Bezug auf das heutige westliche “Rechtsdenken”, das ja letztlich in der “Würde des Menschen” gründet: “Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.” (1Kor 13,13)
In der Würde des Menschen sind also Recht und Pflicht untrennbar miteinander verschmolzen. Das Denken, das von der Unantastbarkeit der Würde des Menschen ausgeht, begründet eine neue Denkweise der Beziehungen - eines Denkens in Beziehung zu sich selbst und zu den anderen - eines Denkens, das die für absolut gesetzte Freiheit genauso wie die für absolut gesetzte Ehre, um der Würde des Menschen willen, zu überwinden vermag. Die ”Denkweise der Beziehungen”orientiert sich an der Würde des Menschen und kann von daher auch Freiheit und Ehre auf vernünftige Art und Weise zusammendenken!
Schematische Tafel zur “Denkweise der Beziehung” Diese neue Denkweise entspricht im ganzheitlichen Sinne der “Würde des Menschen”, indem sie die elementaren Zusammenhänge von “Freiheit” und “Ehre” berücksichtigt:
Eine neue ”DENKWEISE DER BEZIEHUNG” orientiert sich an der MENSCHENWÜRDE
Die bisherige “Denkweise der Unabhängigkeit” orientiert sich an der
Die bisherige “Denkweise der Abhängigkeit” orientiert sich an der
FREIHEIT und RUHM
VERANTWORTUNG und EHRE
und erfährt ihre Konkretisierung durch die Tugenden des RECHTs (auf die Zukunft und Vergangenheit hin gerichtet)
und erfährt ihre Konkretisierung durch die Tugenden der PFLICHT (auf die Gegenwart hin gerichtet)
Freiheit und Verantwortung entsprechen der Würde des Menschen!
Anschauliche Beispiele um sich den grundlegenden Zusammenhang von Verantwortung und Freiheit vernünftig zu erschließen:
Der Mensch ist ein soziales Wesen, das immer in Abhängigkeit von anderen Menschen steht und auch stehen muss. Völlige Unabhängigkeit, also absolute Freiheit gibt es nicht. Sie würde letzten Endes Verantwortungslosigkeit bedeuten. Diese Utopie ist eine gefährliche Illusion, da sie den Menschen letztlich in die absolute Einsamkeit führt. Absolut gesetzter Individualismus und der damit einhergehende Relativismus ist für die “Menscheit” eine tödliche Ideologie. Genauso kann aber auch eine absolut gesetzte Abhängigkeit ohne Freiheit, Menschen kaputt machen, wie das beispielsweise sogenannte “Ehrenmorde”, insbesondere an jungen Frauen mit Migartionshintergrund, uns auf erschreckende Weise immer wieder vor Augen führen.
Welche “gewalttätige” Auswirkungen, ein dem Menschen unwürdiges Verständnis von “Ehre”, auf junge Männer mit Migrationshintergrund in unserem Lande hat, das zeigt das folgene Filmzitat:
Da aber meist gerade die eigene kulturelle Identität, das eigene Verhältnis und den Umgang mit anderen Sitten und Gebräuchen maßgeblich mit beeinflußt, so kann ein aufklärerischer Rückblick in die eigene Geschichte sehr hilfreich sein. Gehen wir einmal davon aus, dass die voranschreitende Gleichberechtigung der Frau, ganz maßgeblich das Bewußtsein von der “Ehre” (des Mannes) im positiven Sinne verändert hat. So zeigt uns das folgende kurze Filmzitat, wie vor noch gar nicht allzulanger Zeit, bei uns noch die Männer über (ihre) "Frauen" gedacht haben (z.B. "Autofahren"). Dies ging, wenn auch unausgesprochen, doch sehr mit der "Ehre" - wohl besser dem "Ehrgefühl" des Mannes von damals einher:
Wie lange die es jedoch im so “fortschrittlichen” europäischen Kulturraum alleine schon gedauert hat, dass die Frau neben dem Mann (wenigstens) dem Gesetze nach als gleichberechtigt gilt, das soll uns das folgende Filmzitat vor Augen führen. Zudem wird auch gezeigt, unter welchen enormen Schwierigkeiten der Kampf der Frauen für Gleichberechtigung stattgefunden hatte und für nicht wenige Frauen sogar den Einsatz von Leib und Leben bedeutete. Ich betone nochmals: Gerade diese "Gleichberechtigung der Frau" hat wohl ganz wesentlich mit dazu beigetragen, dass sich das Verständnis von "Ehre" (des Mannes) grundlegend verändert hat und zwar im positiven Sinne! Dieser geschichtliche Zusammenhang sollte gerade in unserer Zeit insbesondere dann auch Beachtung finden, wenn der oberste westliche Wert "Freiheit" mit dem obersten Wert "Ehre" in (islamischen) Stammeskulturen in Konflikt gerät. Diese Sichtweise von “Gleichberechtigung” ist auch für eine zukünftige gesellschaftliche Entwicklung in China oder Indien von maßgeblicher Bedeutung.
Abschließend soll uns noch ein geschichtlicher Überblick, die fundamentale Orientierungsgröße “Ehre” wieder etwas näher bringen - denn ohne Frage: die “Ehre” hat ja maßgeblich auch unserer Kultur mit geprägt. Das Filmzitat zeigt, wie in unseren Tagen die "Ehre" sogar noch in der Politik eine (entscheidende) Rolle spielt. Zudem wird dargelegt, wie sich in früheren Zeiten in unserem Kulturraum eine an der Abhängigkeit orientierte Denkweise in den verschiedenstens Lebensbereichen geäußert hat. So macht der Beitrag anschaulich, wie sich über die Jahrhunderte hinweg der Begriff von "Ehre" entwickelt hat - z.B. das "Ehrenwort" gebraucht aber auch mißbraucht wurde. Diese eingehende Weise vermag uns auch die eigentliche Untrennbarkeit der beiden obersten Werte “Ehre” und “Freiheit” wieder bewußt machen - auch wenn gerade in der Diskussion um die “Würde des Menschen” gegenwärtig dieser fundamentale Zusammenhang zwischen “Rechten und Pflichten” noch weitgehendst ignoriert wird.