DENK4 DEUS ET DIGNITAS ET CARITAS EST

 

Sternenmantel0

 

Hinführung zu:
DEUS DIGNITAS EST
Gott ist die Würde

 

Warum zuerst die Rede von “Würde”
und nicht gleich von “Liebe”?

„Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt,
bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm“

(1 Joh 4,16).

Mit diesem Wort beginnt Papst Benedikt XVI.
seine Enzyklika DEUS CARITAS EST.
Er führt dazu weiter aus:
”In diesen Worten aus dem Ersten Johannesbrief ist die Mitte des christlichen Glaubens, das christliche Gottesbild und auch das daraus folgende Bild des Menschen und seines Weges in einzigartiger Klarheit ausgesprochen.”

Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses päpstliche Rundschreiben aus dem Jahre 2005, im Laufe der Zeit mit dazu beitragen wird, die Kirche von innen her mit zu erneuern - denn mit der “Liebe” ist in der Tat die Mitte des christlichen Glaubens benannt. Aber diese Enzyklika ist in gewisser Weise nur die “halbe Wahrheit”!

Was will ich nun mit dieser provozierenden Behauptung andeuten?
Jeder von uns kennt doch wohl aus eigener Erfahrung die Eigenarten eines Zweikomponentenklebers. Die in einem solchen Kleber getrennt verpackten Substanzen, haben für sich allein keine bindende Wirkung, sind also für sich genommen “kraftlos”. Erst wenn man beide Komponenten im richtigen Verhältnis zusammenbringt und gut vermischt, dann kommt es zu einer chemischen Reaktion und erst dann entwickelt dieser Klebstoff eine sehr erstaunliche Bindekraft. Auch aus der Natur kennen wir vieler solcher Beispiele, wo es einfach nur auf die richtige Mischung von zwei oder mehrer Substanzen ankommt.
Ebenso lassen sich markante Beispiele in der Menschheitsgeschichte finden: So z.B. die Entwicklung des Christentums aus einer kulturellen Mischung des jüdischen Glaubens und des griechischen Denkens. Oder ein Beispiel aus neuerer Zeit: Die “explosive Mischung” von Naturwissenschaft und Technik, die zu dieser ungeheuren kollektiven Überraschung führte, deren Eigendynamik uns Menschen von heute zu überrollen droht. Damit spreche ich die, zu Beginn der Industrialisierung, schnell um sich greifende Erfahrung an, dass nämlich wir Menschen selbst, aufgrund angewandter wissenschaftlicher Erkenntnisse und der daraus abgeleiteten Technik, die Welt grundlegend verändern und gestalten können – besonders natürlich unter der zu Hilfenahme von Maschinen. ...

Und ich bin nun der festen Überzeugung, dass es sich auch mit der Enzyklika “Deus caritas est” so verhält. Erst wenn der Inhalt dieser Enzyklika mit einer passenden Komponente in Mischung gebracht wird, erst dann wird es zur entsprechenden gewaltigen Reaktion von Gottes befreiendem Wort unter den Menschen kommen.
Die gesuchte Komponente ist der Inhalt der Antrittsenzyklika “Redemptor hominis” von Papst Johannes Paul II aus dem Jahre 1979.
In dieser Enzyklika wird nämlich all das ausführlich dargelegt, was in dem Glaubenssatz “DEUS DIGNITAS EST” zusammengefasst wird. Viele grundlegende Kernaussagen über die “Würde des Menschen” für eine umfassende und alltägliche Lebensgestaltung im christlichen Glauben, sind wohl im Laufe der Jahre leider wieder in Vergessenheit geraten. Im verkürzten Sinne haben sie höchstens noch Bestand in der vom Alltag der Menschen losgelösten Diskussion um Fragen der Bioethik.
Hier gilt es nun, den Inhalt dieses etwas in Vergessenheit geratenen päpstlichen Rundschreibens ganz neu zu entdecken und es für die Fragen unserer Zeit aufzubereiten. Erst wenn uns der Inhalt von “Redemptor hominis” wieder bewußt ist und so unser Denken über den Menschen maßgeblich mitbestimmt, erst dann wird es der katholischen Kirche auch gelingen, verständlich und durchaus glaubwürdig, auch für “Aussenstehende” zu vermitteln, was es eigentlich für unser Leben bedeutet, dass “Gott die Liebe ist” - also in der pluralen Gesellschaft von heute von Gottes bedingungsloser Liebe vernünftig zu Reden und auch in diesem Bewußtsein wichtige Entscheidungen zu treffen und vorbildhaft zu Handeln!
Erst dann wird nämlich diese durch und durch befreiende und heilsame Mischung von “Würde und Liebe” in den Kirche(n) ihre ganze göttliche Kraft entfalten und damit wird “Gottes Wort” wie uns seit ewigen Zeiten verheißen, die ganze Menschheit zum Positiven hin verändern.

Diese durchaus sinnvolle Reihenfolge von: zuerst “Würde” und dann “Liebe”, bewährt sich auch in der alltäglichen Begegnung mit Menschen. Da habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, dass es z.B. bei vielen (kritischen) Glaubensfragen besser ist, erst einmal vernünftig von Achtung und Respekt vor sich selbst und dem anderen Menschen zu sprechen, also erst einmal die Grundlage dafür zu schaffen, dass jeder Mensch als Mensch unter Menschen wahrgenommen werden will und als solcher auch leben will.
Die Rede von der “Würde des Menschen” sollte also in der alltäglichen Praxis, der Rede von der “Liebe des Menschen” vorgezogen, zumindest aber vorangestellt werden. Erst darauf aufbauend ist dann der Verweis, auf die sogenannte Pflicht des Menschen zur “Nächstenliebe”, mit Bedacht auszusprechen. “LIEBE” ist doch (nach “GOTT”) das größte Wort des Menschen, aber zugleich wohl auch das am meisten missbrauchte Wort unter den Menschen. Nicht wenige unserer Mitmenschen sind daher, wenn man ihnen mit einem übereilten Verweis auf  “Gottes Liebe”, gleich mit der ganzen Tür ins Haus fällt, erst einmal schlichtweg überfordert und wenden sich deshalb von der eigentlich so “Frohen Botschaft” wieder ab.

Weiterhin wird auch der (angebliche) Allein-Anspruch der christlichen Kirche(n) auf die "Liebe", von vielen unserer Zeitgenossen als äußerst problematisch empfunden und sie verweisen deshalb dann gerne auf die teils “lieblose” (eigentlich ja “würdelose”) Vergangenheit der  kath./evang. Kirche und deren gegenwärtige innerkirchliche Probleme. Es kommt also nicht von ungefähr, dass gerade wegen der “CARITAS” auch das päpstliche Schreiben "DEUS CARITAS  EST" derartig kontrovers diskutiert wird.
Ja, anscheinend scheiden sich gerade an der “LIEBE” die Geister -
im wahrsten Sinne des Wortes!

 

Wie aber könnten diese vielen “Geister”
zu dem einen “Geist” werden?

Gehen wir hier deshalb in Bezug auf  “GOTT IST DIE LIEBE” getrost den (Um)Weg über “GOTT IST DIE WÜRDE”:
Nehmen wir einmal an, dass alle Menschen, die sich  irgendeiner (großen) Religion zugehörig fühlen, auf der Suche nach einer  unbegreiflichen Größe/nach dem letztendlich EINEN sind.
Viele verwenden für das Ziel ihres Suchens, das letzte/abstrakteste Wort des Menschen: "GOTT".

Natürlich hängt  dieses letzte Wort des Menschen eng mit dem zusammen, was wir mit "wahrer Liebe"  verbinden. Ein Satz bringt für mich persönlich z.B. das (abstrakte) Wort "GOTT" und die (erfahrbare) "LIEBE" auf  unvergleichliche Weise zusammen:

Das Universum ist groß - wie die  Liebe.
Wer die Liebe kennt, weiß, wie groß das Universum  ist.


Aber dies ist nur der eine Teil der  Wahrheit,
denn andererseits kann ebenso gesagt werden:

Das Universum ist  groß - wie die Würde.
Wer die Würde kennt, weiß, wie groß das  Universum ist.

Nur im Zusammenspiel der beiden Sätze kommen wir der Wahrheit GOTTes etwas näher. Damit ist vieles über die eigentliche Undenkbarkeit von GOTT, LIEBE und WÜRDE ausgesagt und das Verhältnis von GOTT und LIEBE und das Verhältnis von GOTT und WÜRDE in seiner Gänze erfasst.

Aber wie steht es jetzt mit dem Verhältnis von LIEBE und WÜRDE?
Stellen wir dazu die Frage:
Kann ein Mensch GOTT, sich selbst oder einen anderen Menschen wirklich lieben und die Würde dabei verachten?
Nein! - Denn ohne Würde bleibt dem Menschen nur Angst und Ekel, Misstrauen und Hass. Jedoch, gerade mit der bewußten Achtung und dem Respekt vor der eigenen Würde und der Würde des anderen, hält GOTTes Liebe ihren Einzug in das “Herz des Menschen” und der Mensch bleibt dann auch in dieser Liebe. So ist die “Würde des Menschen” die eigentliche und unabdingbare Vorstufe für die “Liebe des Menschen”.
Dieser fundamentale Zusammenhang kann insbesondere im Bezug auf Jesu Gebot zur Feindesliebe verdeutlicht werden:
“Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er läßt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.” (Mt 5,43-45)
Nur sehr wenige Menschen vermögen wohl mit aufrichtigem Herzen diese “Liebe” zu einem echten Feind, z.B. einem Menschen der mein eigenes Leben oder das Leben mir nahestehender Menschen ernsthaft bedroht, in sich tragen.
Jedoch sollten wir uns als Christen - ganz im Vertrauen auf Jesus - immer ernsthaft darum bemühen, auch den “schlimmsten Feind” noch als Mensch unter Menschen anzuerkennen und ihm daher - wenn auch nicht von unserem Empfinden her, dann doch wenigstens von unserem Denken her - als Geschöpf Gottes ohne “Wenn und Aber” zu verstehen (vgl. dazu auch “Kainszeichen”) - also auch dann, wenn bei der unmittelbaren Begegnung mit solch’ einem sozial “entwürdigten Menschen” (z.B. Gerichtsverhandlung) unsere Gefühle dies zutiefst ablehnen. Als Christen müssen wir deshalb auch den “Mörder” und “Kinderschänder” seiner unantastbaren Würde gemäß behandeln und bestrafen, auch wenn dieser sich selbst, ganz seiner eigenen sozialen Würde entäußert hat und die (soziale) Würde des anderen Menschen in keinster Weise beachtet!

Feindesliebe heißt also für den Christen, trotz des menschenunwürdigen Verhaltens meines Feindes, sich der Würde eines Menschen gemäß zu verhalten und zu handeln. Insbesondere gilt dies auch dann, wenn ich in der Position des “Stärkeren” sein sollte (vgl. z.B. gegenwärtige Außenpolitik Amerikas unter der Bush-Regierung).

Da ein solches “Gebot der Feindesliebe” schnell die ”Moral” eines einzelnen betroffenen Menschen (wohl auch eines ganzes Volkes) in konkreter Situation überfordern kann, hat daher staatliche Gewalt, die diesem Gebot der Achtung und dem Schutz der Menschenwürde Folge leistet, ihren durchaus tiefen Sinn und legitimen Platz im Miteinander der Menschen.
Staatliche Gewalt richtig verstanden, soll ja gerade verhindern, dass das “Recht des Stärkeren” unter den Menschen und den Völkern um sich greift. Um so erschreckender und bedrohlicher ist es daher, wenn staatliche Gewalt selbst (wie gegenwärtig im Zuge amerikanischer Sicherheitspolitik) zum “Recht des Stärkeren” mutiert - denn dann läuft staatliche Gewalt Gefahr, wieder zum “Fluch” statt zum “Segen” für die Menschen zu werden.

Ausgehend von diesen Überlegungen zur Menschen übersteigenden “Gewalt Gottes”, können wir deshalb mit gutem Grund auch sagen:

In der “Würde des Menschen”
offenbart sich GOTTes ganze Macht und Herrlichkeit.


In der “Liebe des Menschen”
offenbart sich GOTTes unbegreifliche Weisheit und Gerechtigkeit.


So gesehen ist also die “Würde des Menschen” die unbedingte Grundlage für “wahre Liebe” unter den Menschen. Denn wie sollen Gottes Weisheit und Gerechtigkeit unter den Menschen gross werden (vgl. dazu Enzyklika “DEUS CARITAS EST”), wenn die Menschen Gottes Macht nicht wahrnehmen wollen und blind für die unbeschreibliche Herrlichkeit Gottes sind (vgl. dazu Enzyklika “REDEMPTOR HOMINIS”). Es gilt daher:

 Ohne Würde - keine Liebe!

Von dieser grundlegenden Erkenntnis ausgehend, könnte durchaus auch von einem erneuerten Glauben die Rede sein. Dieser neue und zugleich alte Glaube ist nun mit folgendem Satz auf den Nenner gebracht:

DEUS ET DIGNITAS ET CARITAS EST
[GOTT ist sowohl die Würde als auch die Liebe.]

Nach 1 Joh 4,16 bedeutet dies:
„Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt,
bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.“

Aber ebenso würde es dann auch bedeuten:
„Gott ist die Würde, und wer in der Würde bleibt,
bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.“

 

Aber überprüfen Sie, für sich selbst, in aller Ruhe diese Glaubens-Aussagen, die letzten Endes zu einer Erneuerung des christlichen Glaubens führen werden. Lassen Sie sich durch meinen Glaubens-Ansatz nicht beunruhigen, denn wie spricht Jesus Christus zu uns:

“Ihr werdet die Wahrheit erkennen,
und die Wahrheit wird euch frei machen.”

(Joh 8,32)

 

Es hat also durchaus seinen tieferen Sinn, gerade beim Christentum, insbesondere mit dem Verweis auf das Alte Testament (Schöpfungsgeschichte, die Psalmen und das Buch Hiob) erst einmal ganz bewusst von einer Religion der Würde zu reden. (Ebenso würde dies auch auf das Judentum zutreffen und ebenfalls auch auf den Islam - auch wenn vielleicht unter den gegenwärtigen “unwürdigen” politischen Entwicklungen vielerorts gerade das Gegenteil behauptet wird).
Aus gutem Grund sollten Christen also im Dialog mit den anderen Religionen und vor allem auch im Gespräch mit Menschen, die sich keiner Religion verbunden fühlen, vorerst nur sehr behutsam beim “Christentum” von einer Religion der Liebe reden.
 

Daher nun, um der “Liebe Gottes” willen, mein Motto als Zusammenfassung:

Viele reden immer gleich von „Liebe“ -
wir dagegen reden lieber erst einmal von „Würde“!

 

Sternenmantel0

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